II. Physikalisches Institut Arbeitsgruppe Prof. Dr. V. Metag
Einführung in
Grundlagen
der
Kern- und Elementarteilchenphysik
Ein Praktikum für Schüler mit Leistungskurs Physik
Seit 1996 bietet das II. Physikalische Institut interessierten Schülergruppen - bisher Leistungskurse

Man untersucht die Eigenschaften
radioaktiver Strahlung, testet selbst gebaute Nachweisdetektoren
und wird vertraut gemacht mit modernsten Meßgeräten und elektronischen
Datenaufnahmesystemen.

Das Praktikum umfaßt in der Regel 4 - 5
Projekttage, an denen in ganztägiger Arbeit die Thematik
durch Vorträge, Diskussionen und vor allem ein reichhaltiges selbständiges
Experimentierprogramm
gemeinsam erarbeitet werden. Vorkenntnisse auf dem
Gebiet der Kernphysik sind nicht erforderlich - nur
das Interesse und der Spaß, neue physikalische
Zusammenhänge zu erarbeiten. Die Kurstermine werden individuell vereinbart - wenn
möglich in der vorlesungsfreien Zeit - wobei in den meisten Fällen von Seiten der
Schüler den Schulferien der Vorzug gegeben wurde.
(Presseberichte: 1 - 2 - 3 -
4)
Das Projekt besitzt kein festgelegtes Programm, lediglich Themenschwerpunkte, die
je nach zeitlichem Rahmen, Vorkenntnissen und Interessen der Teilnehmer bearbeitet oder
vertieft werden. Basierend auf den bisher durchgeführten Praktika lagen folgende Inhalte
im Vordergrund:
Einführende Experimente zur natürlichen Radioaktivität
Absorption von Photonen
(Röntgenstrahlung, Gamma-Strahlung)
(Erzeugung und Eigenschaften elektromagnetischer Strahlung, Funktion einer
Röntgenröhre, Absorption von Photonen in Materie, Geiger-Müller-Zähler als Nachweisdetektor)
Versuchseinführung: Teil 1 - Teil 2 - Teil 3
Radioaktiver Zerfall durch Emission
von Alpha-Teilchen
(Zerfallsgesetz, Alpha-Zerfall, Ionisations-Kammer als Nachweisdetektor)
Versuchseinführung: Radioaktiver Zerfall
Reichweite von Beta-Strahlung in
Materie
(Radioaktiver Zerfall, Wechselwirkung von Elektronen in Materie,
Geiger-Müller-Zähler als Nachweisdetektor)
Versuchseinführung: Reichweite von
Beta-Strahlung
In kleineren Arbeitsgruppen werden folgende Fragestellungen durch weiterführende Experimente vertieft:
Experimentieren mit Szintillationsdetektoren aus BaF2-Kristallen.
Diese Szintillationsdetektoren, die als zentraler Detektor für das Photonenspektrometer TAPS - eines der Forschungsschwerpunkte des Instituts - entwickelt und gebaut wurden, sind besonders geeignet zum Nachweis hochenergetischer Photonen. Man wird mit der Funktionsweise und dem Aufbau eines Szintillationsdetektors vertraut gemacht, baut eigene Detektoren und setzt sie ein, um niederenergetische Gamma-Strahlung oder kosmische Myonen zu detektieren. Das Experimentieren erfordert den Einsatz eines elektronischen Datenaufnahmesystems, Rechnerprogramme zur Analyse der Daten sowie modernste Elektronik - schnelle analoge und digitale Oszillographen, Verstärker, usw. Da diese Detektoren es ermöglichen, den Auftreffzeitpunkt der Strahlung mit einer Genauigkeit von einigen hundert Pico- sekunden (10-12 Sekunden), wird eine direkte Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit durchgeführt.
Messung der optischen Transmission von Kristallen, Glas etc.
Montage eines Szintillationsdetektors
Eigenschaften von Photosensoren
Messungen von Signalformen mit Speicheroszillograph
Betriebnahme einer elektronischen Datenaufnahme
Eichung eines Detektors
Messung der Energie von Gamma-Strahlung
Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit
g - Spektroskopie mit einem Halbleiterdetektor aus Germanium
Halbleiterdetektoren aus Silizium oder Germanium erlauben den Nachweis von Photonen oder geladenen Teilchen und die Bestimmung ihrer Energie mit hoher Genauigkeit. Man betreibt diese Kristalle gekühlt auf der Temperatur von flüssigem Stickstoff als Diode, wobei man durch Anlegen einer Betriebs- spannung einen Bereich im Kristall erzeugt, der nahezu keine elektrische Leitung besitzt, da alle Ladungs- träger-Elektronen entfernt wurden. Allein die einfallende ionisierende Strahlung kann Elektronen frei- setzen, die durch ein elektrisches Feld abgesaugt und zu einem elektrischen Signal verstärkt werden, das proportional der im Kristall absorbierten Energie ist. Derartige Detektoren erlauben eine genaue Bestim- mung der Photonenenergie, die im Falle der g - Strahlung charakteristisch für den radioaktiven Kern ist und damit seine Identifikation ermöglicht.
Betriebnahme einer elektronischen Datenaufnahme
Betrieb und Eichung eines Ge-Detektors
Messung und Diskussion der Energieauflösung des Detektors
Vergleichsmessung von Gamma-Strahlung mit einem Szintillationsdetektor
Untersuchung von verschiedenen radioaktiven Proben aus dem Alltag ( Ziffernblatt einer Uhr, Kies- und Betonproben, glasierte Keramikkacheln, etc.)
Funktionsweise von Photonendetektoren und der Bedeutung der Zählstatistik
a - Spektroskopie mit einem Halbleiterdetektor aus Silizium
Halbleiter-Dioden aus Silizium werden insbesondere zur Spektroskopie, d.h. der genauen Vermessung der kinetischen Energie, von geladenen Teilchen - in diesem Fall a-Teilchen - eingesetzt. Jeder radioaktive Kern, der durch die Emission von a-Teilchen zerfällt, läßt sich durch die charakteristische Energie dieser Teilchen identifizieren. Trotz der hohen Energie dieser Teilchen von einigen MeV besitzen sie nur eine kurze Reichweite in Materie - selbst in Luft. Die Meßapparatur muß daher in einer evakuierten Testkammer aufgebaut werden. Die stark ionisierende Wirkung dieser Strahlung wird durch verschiedene Messungen experimentell überprüft und kann dazu verwendet werden, zerstörungsfrei die Dicke extrem dünner Folien zu vermessen.
Betriebnahme einer elektronischen Datenaufnahme
Aufbau und Betriebnahme einer Vakuum-Testkammer
Betrieb und Eichung eines Si-Detektors mit verschiedene Alphapräparaten
Messung und Diskussion der Eigenschaften von Alpha-Teilchen
Messung des Energieverlustes und der Reichweite von Alpha-Teilchen in Luft und verschiedenen Materialien
Bestimmung der Dicke extrem dünner Folien
Experimentieren mit Plastik-Szintillationsdetektoren
Szintillatoren sind eine wichtige Gruppe von Nachweisdetektoren auf dem Gebiet der Kernphysik. Neben anorganischen Kristallen, wie Bariumfluorid, erzeugen auch organische Verbindungen, die man in Trägermaterialien ähnlich Plexiglas einbettet, nach Bestrahlung mit ionisierender Strahlung Szintillations- licht, das prompt - im Bereich von Nanosekunden - emittiert wird und in speziellen Photosensoren in ein elektrisches Signal umgewandelt wird. Es werden mehrere dieser Detektoren betriebsfertig montiert und getestet. In Experimenten werden Beta-Teilchen und kosmische Myonen nachgewiesen. Es wird aus mehreren Detektoren eine Koinzidenzapparatur aufgebaut, die es erlaubt, gleichzeitig emittierte Photonen oder Teilchen, die mehrere Detektoren durchfliegen, elektronisch zu identifizieren.
Betriebnahme einer elektronischen Datenaufnahme
Messung der optischen Transmission von Plastik, Glas, etc.
Bestimmung der Eigenschaften und Funktionsweise von Photosensoren
Messung der Signalform der Detektoren mit schnellen Oszillographen
Montage mehrerer Szintillationsdetektoren
Bestimmung der Energie von Beta-Teilchen
Aufbau einer Koinzidenzapparatur und Bestimmung der Zeitäuflösung
Nachweis von kosmischen Myonen
Neben den Experimenten und Diskussionen zu den elementaren Grundlagen der Kern- und Teilchenphysik wird das Berufsbild des Physikers in Industrie und Forschung erläutert und diskutiert. Folgende Themenpunkte werden angeschnitten:
das Studium der Physik - Voraussetzungen, Studienplan und Ablauf
Berufsmöglichkeiten eines Physikers in Industrie, Verwaltung, Forschung und Lehre
Struktur eines Physikalischen Instituts an der Universität
Bedeutung der Infrastruktur aus Werkstätten und Labors
Internationale Forschungsprojekte und Einbindung der Studenten
Bedeutung der Grundlagenforschung
Das Projekt wird ergänzt durch kurze Vorträge (Prof. Metag) zu speziellen Themen, z.B.
Struktur der Materie - von der Zelle zu den Quarks
Tumortherapie mit Strahlen schwerer Ionen
Physikalische Fakten der Strahlenbelastung durch CASTOR-Transporte
Eine gemeinsame Exkursion z.B. zur Besichtigung der Beschleuniger- und Experimentier-Anlagen an der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt kann organisiert und durchgeführt werden auch zur Vertiefung der innerhalb des Projektes diskutierten Grundlagen.
weiteres Informationsmaterial:
Einführung in ausgewählte Laborexperimente
Anmeldung oder weitere Informationen:
Dr. Rainer Novotny
Telefon: 0641 99 33 277
Fax: 0641 99 33 209
email: r.novotny@exp2.physik.uni-giessen.de